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Effectuation – Wie die erfolgreichsten Entrepreneure denken und handeln

Aktualisiert: 1. Feb.

Effectuation: ein Begriff, der plötzlich überall zu hören ist. Was dahinter steckt und warum es nützlich ist, es zu kennen und zu verstehen, erklären wir noch mal in diesem Artikel.


Entscheidungen treffen, trotz hoher Risiken


Steve Jobs, Jeff Bezos und Richard Branson sind herausragende Unternehmerpersönlichkeiten: Erfolgreiche Multi-Gründer, die mindestens eines ihrer Unternehmen an die Börse gebracht und dabei auch Misserfolge erlebt haben. Sie haben alle bahnbrechende Innovationen auf den Markt gebracht und trotz großer Unsicherheiten ihre Unternehmen zum Erfolg geführt. Daher ist es interessant, diese Supra-Entrepreneure genauer zu betrachten:



  • Gibt es gemeinsame Merkmale bei all diesen Supra-Entrepreneuren?

  • Eine besondere Art des Handelns oder Denkens?

  • Kann daraus eine Methode abgeleitet werden, die für das eigene Unternehmen von Nutzen sein kann?


Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Disziplinen haben diese Zusammenhänge im Rahmen internationaler Entrepreneurship-Forschung untersucht.


Ein Forscherteam hat dabei bemerkenswerte Erkenntnisse gewonnen:


Es existieren tatsächlich Ähnlichkeiten im Denken und in der Logik höchst erfolgreicher Unternehmer*innen. Ihre Vorgehensweisen sind vergleichbar – unabhängig von Branche, Epoche und Ort.


Die Studie zu „Effectuation, die unternehmerische Methode“ Im Jahr 1997 führte Professorin Saras D. Sarasvathy (University of Virginia) gemeinsam mit dem Wirtschaftsnobelpreisträger Herb Simon eine Studie durch, die die kognitiven Prozesse einiger Super-Unternehmer untersuchte. Alle Teilnehmenden bearbeiteten dieselben Aufgaben und wurden gebeten, ihre Gedanken und logischen Schritte dabei laut auszusprechen. Anschließend wurden die Sprachaufzeichnungen und Lösungsblätter analysiert:



Es zeigte sich eine eigenständige unternehmerische Entscheidungslogik, die sich nachweislich von den an Universitäten vermittelten klassischen Managementmethoden unterscheidet.



Diese besondere Logik wurde von Professorin Sarasvathy als „Effectuation, die unternehmerische Methode“ bezeichnet. Seitdem wurde ihr Ansatz mehrfach empirisch überprüft und weiterentwickelt.



Was zeichnet Effectuation aus?


Ein zentraler Unterschied zwischen der traditionellen Herangehensweise mit kausaler Logik und Effectuation liegt in der Haltung gegenüber der Zukunft:


Während im klassischen Management versucht wird, die Zukunft vorherzusagen oder zu planen, akzeptiert Effectuation, dass Unvorhersehbares eintreten wird.


Dies macht die Effectuation-Methode besonders interessant, da wir in einer Ära des ständigen Wandels und großer Unvorhersehbarkeit leben. Die Zeitspannen, in denen bahnbrechende Innovationen und disruptive Technologien auf den Markt kommen, verkürzen sich immer mehr. Michael Faschingbauer, Unternehmensberater und Autor des Bestsellers "Effectuation – wie erfolgreiche Unternehmer denken und handeln" erklärt Effectuation in diesem kurzen Video der "Gründerplattform":


Prof. Dietmar Grichnik von der Universität St. Gallen veranschaulicht die Schnelllebigkeit und Unberechenbarkeit unserer Zeit u.a. in seinem Buch "Entrepreneurial Living" anhand eines Beispiels:


Er vergleicht Fotos von den Zuschauern bei der Amtseinführung des Papstes im Jahr 2005 und 2013. Während auf den Bildern von 2005 nur vereinzelt Klapphandys zu sehen waren, leuchteten 2013 auf dem Petersplatz Tausende von Handys, die sofort Bilder in die ganze Welt verschickten. Ein atemberaubender Wandel in Technologie und Kommunikation innerhalb weniger Jahre.


Professorin Sarasvathy identifizierte fünf Prinzipien, die die handlungsorientierte Denkweise der Effectuation kennzeichnen, und stellte die Unterschiede zu herkömmlichen Managementverfahren (kausale Logik) heraus.


Die 5 Prinzipien von Effectuation

1. „Bird in hand“ – Der Spatz in der Hand. Das Prinzip der verfügbaren Mittel.


Der klassische, kausale Ansatz: Man definiert ein Ziel, plant und besorgt die benötigten Mittel.

Die Herangehensweise der Effectuation-Logik: Man betrachtet seine vorhandenen Mittel und Möglichkeiten und entwickelt darauf basierend verschiedene Zielszenarien.

Zu Beginn einer Unternehmung steht also nicht die Zielsetzung, sondern die Analyse der aktuellen Situation:

  • Wer bin ich?

  • Was kann ich?

  • Wen kenne ich?


Und daraus folgend:


  • Was kann ich erreichen?

Der kausale Ansatz ähnelt dem Befolgen eines Kochrezepts: Das Ziel ist festgelegt, nun müssen die Mittel beschafft und nach Plan bzw. Rezept zubereitet werden. Im Gegensatz dazu steht das Kochen ohne Rezept: Hier verschafft man sich zunächst einen Überblick über die verfügbaren (Lebens-)Mittel – also, was im Rahmen des Möglichen liegt. Auf diese Weise ergeben sich viele Ziele. Da die Mittel bereits vorhanden sind, ist die Wahrscheinlichkeit, eines der gesetzten Ziele zu erreichen, hoch.


2. „Affordable Loss“ – Der leistbare Verlust.


Der klassische, kausale Ansatz:

Man berechnet die potenziellen Gewinne und wählt die Option mit dem höchsten Ertrag.


Die Herangehensweise der Effectuation-Logik:

Man überlegt, welchen Verlust man verkraften kann. So ist man im Falle eines Scheiterns davor geschützt, alles zu verlieren. Sollte man scheitern, geschieht dies frühzeitig und oberhalb der eigenen finanziellen und emotionalen Schmerzgrenze.


3. „Crazy quilt“ – Das Patchwork-Unternehmen. Das Prinzip der Partnerschaften.


Der klassische, kausale Ansatz:

Man entwickelt seine Geschäftsidee im Verborgenen. Partnerschaften werden geschlossen, um Ressourcen zu erhalten.


Die Herangehensweise der Effectuation-Logik:

Partner, die bereit sind, sich auf ein unsicheres Ziel einzulassen, werden ins Boot geholt. Sie können die Ziele beeinflussen. Zusammenarbeit statt Wettbewerb.


4. „Lemonade“ – Der Umgang mit Überraschungen und Zufällen.


Der klassische, kausale Ansatz:

Unerwartetes wird als problematisch angesehen. Auch bei Zwischenfällen versucht man, das gesetzte Ziel zu erreichen.


Die Herangehensweise der Effectuation-Logik:

Gemäß dem Sprichwort „When life gives you lemons, make lemonade“ (Wenn das Leben Dir Zitronen schenkt, dann mache Limonade), werden unerwartete Ereignisse als Chance gesehen. Zieländerungen aufgrund aktueller Ereignisse sind möglich.


5. „Pilot-in-the-Plane (Control vs. Predict) Principle“ – Der Umgang mit der Zukunft


Der klassische, kausale Ansatz:

Man versucht, vorhersehbare Aspekte der Zukunft zu planen und zu kontrollieren.


Die Herangehensweise der Effectuation-Logik:

Man konzentriert sich auf das Gestaltbare, also das, was mit den vorhandenen Mitteln und Partnern erreichbar ist und innerhalb der Verlusttoleranz liegt. Anstatt sich ausschließlich auf die Vorhersage der Zukunft zu konzentrieren, legt man den Fokus auf die Aspekte, die man direkt beeinflussen und gestalten kann. Dies ermöglicht es, flexibel und anpassungsfähig auf unvorhergesehene Ereignisse und Veränderungen zu reagieren, wodurch die Wahrscheinlichkeit des Erfolgs erhöht wird.


Anwendungsbereiche von Effectuation


Effectuation eignet sich besonders für unternehmerische Tätigkeiten, bei denen hohe Unsicherheit herrscht, etwa bei der Erschließung neuer Geschäftsfelder, der Entwicklung neuer Produkte oder dem Eintreten in unbekannte Märkte. Der Fokus liegt dabei auf dem Umsetzbaren. Dennoch ersetzt Effectuation nicht die kausale Logik des klassischen Managements – vielmehr ergänzt sie diese. Sobald ein Unternehmen an Schwung gewinnt oder ein Produkt auf einem Markt etabliert ist, können verlässliche Prognosen erstellt werden, und strategische Planung wird zum bevorzugten Instrument.


Effectuation Praxisbeispiele


Wie sieht Effectuation in der Praxis aus? Welche Effectuation-Beispiele gibt es?

in diesem kleinen Artikel zeigen wir dir acht inspirierende Beispiele aus der Unternehmerpraxis.



 

Effectuation lernen

Effectuation ist eine erlernbare Logik. Wer sie verstanden hat, besitzt die Fähigkeit in Zeiten von hoher Ungewissheit schneller Entscheidungen zu treffen und ins Handeln zu können. Insbesondere in Zeiten von VUCA bzw. BANI hilft es den Kurs zu finden, zu halten und immer wieder anzupassen.


In unserer Zukunftsakademie kann der Kurs "Effectuation Essentials" gebucht werden. In diesem Eintages-Kurs vermitteln wir die Grundlagen von Effectuation Ihren Führungskräften



Effectuation Vorträge

Simon Steiner ist Experte für Effectuation und wurde von dem Entrepreneurship-Professor Dr. René Mauer und dem Autor des Buches "Effectuation – wie erfolgreiche Unternehmer denken und Handeln", Michael Faschingbauer, zum "Effectuation Expert" ausgebildet. Simon hält Vorträge über das Navigieren in Ungewissheit und methodische Innovationsansätze, wie Effectuation. Diese können hier bei Simon Steiner direkt gebucht werden



Effectuation Lektüre

Das im deutschprachigen Raum bekannteste Buch hat der Effectuation Experte Michael Faschingbauer geschrieben und ist bei uns im TOOLS FOR TOMORROW Shop erhältlich


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Quellen und Referenzen:

Faschinbauer, 2021

Steiner, 2020

Grätsch, Knebel 2017




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